Foto / USA / you&me

Völlig unvorbereitet passieren wir das „Welcome to California“ Schild. Was, so schnell? Wo ist denn Oregon hin? Wir waren noch nicht so weit! Halt. Langsam. Naja okay, wollen wir uns mal nicht beschweren. Wir sind schließlich in California und stürzen uns in die Schönheit des 1er Highways.

Nachdem wir die unglaublich massiven Redwoods hinter uns gelassen haben, suchen wir im Dunkeln eine Tankstelle. Dabei landen wir in Garberville. Eine Kleinstadt in Nord-Californien. Die gruseligste Stadt, die wir bis jetzt durchfahren haben. Das Tankstellen-Gelände wird plötzlich zur Bühne. Die kalten Neonröhren beleuchten die Szenerie. Ein Mann mit rosablau gepunkteter Kuscheldecke über den Schultern taucht auf. Er fängt einen Streit mit der zerzausten Hundebesitzerin an. Dafür muss die Lady ihren wilden Kampf mit dem Papierspender der Tanke unterbrechen, was sie ungleich wütender macht. Sie schreien sich an, während sich der Mann an seiner Kinderbettdecke festhält. Die Hand bewegt sich dann doch langsam Richtung Verriegelung der Bustür. Links von uns, hat sich eine Gruppe junger Männer versammelt. Wüssten wir es nicht besser, würden sie als Zombies durchgehen. Als dann die „Locals on Patrol“ mit ihren grünen Leuchtwesten auftauchen, wird es endgültig skurril. Sind wir unwissentlich in ein Filmset geplatzt? Wieder zurück in der Dunkelheit finden wir unseren Weg auf den 1er Highway. Dieser fordert uns mit dichtem Wald und Haarnadelkurven heraus. Man sollte diese Strecke lieber tagsüber fahren. Und dafür dann in Garberville übernachten!? Och, vielleicht doch lieber Haarnadelkurven bei Nacht. Unser Schlafplatz wird ein großer Pull Out direkt am Ozean. Der Sternenhimmel ist unglaublich. Die Aussicht auf den Pazifik am nächsten Morgen noch viel unglaublich-erer.
Wir lassen uns vom N° 1 weiter Richtung Süden tragen. Diesmal soll es ein anständiger Campingplatz sein – und zwar vor Anbruch der Dunkelheit. Allerdings strotzt diese Strecke nur so vor tollen Szenerien und Aussichtsplätzen, da kann man schon mal die Zeit vergessen. Dass einem bei den Kurven schlecht wird, ignoriert man einfach, so lang eben möglich. Wir bleiben in dem kleinen Dorf Manchester und widmen uns der ultimativen Reinigung. Bettwäsche, Kleidung und wir selbst. Wir gönnen uns sogar eine zweite Nacht. Der Hot Tub auf dem Campingplatz ist einfach zu verlockend. Leider will das Wetter nicht so, wie wir. Zwei Tage lang gießt es, wie aus Eimern. Scheint in Californien nicht immer die Sonne? Unser nächstes Ziel ist San Francisco, wo wir vier Tage verbringen wollen. Dieser wunderbaren Stadt widmen wir demnächst einen eigenen Artikel. Ehre, wem Ehre gebührt. Weiter also auf dem Pacific Highway, der uns immer wieder den Atem raubt. In Santa Cruz wird an der Promenade gefrühstückt, bevor wir in Carmel by the Sea einlaufen. Dort verbringen wir zwei wunderschöne Tage mit einer lieben Freundin. Genießen einen unglaublich klaren Sonnenuntergang am Strand, ein abenteuerliches, köstliches Essen beim Japaner und gönnen uns den ein oder anderen Mojito. Doch der nächste Morgen war unschlagbar. Wir durften die Dusche in ihrem Hotelzimmer benutzen. Mal davon abgesehen, dass eine Fußballmannschaft rein gepasst hätte, war sie absolut sauber. Keine fremden Haare oder Rasierstoppeln, keine undefinierbaren Flüssigkeiten an den Wänden und auch keine Sandhaufen am Boden. Eine saubere Dusche ist tatsächlich ein Grund für Glücksgefühle. Ach was, Glückseeligkeit! Die nächsten zwei Tage führen uns weiter an Steilküsten, der Bixby Brücke in der Nähe von Big Sur und an vielen tollen Pull Outs mit Meerblick vorbei. Wer hat schon Schlafzimmer, Küche, Bad, Esszimmer und Fahrerkabine mit andauerndem Pazifikpanorama? Wir passieren bei strahlendem Sonnenschein den Strand der See-Elefanten. Hunderte Weibchen und Bullen liegen dicht beieinander, um sich zu wärmen. Wie uns ein ehrenamtlicher Biologe vor Ort erklärt, kommen diese riesigen Robben jährlich zum selben Ort, um zu fasten und sich fortzupflanzen. Fasziniert beobachten wir die Tiere. Letztendlich ist auch der Highway N° 1 zu schnell zu Ende. Aus Pazifikküste wird Agrarlandschaft mit mexikanischen Hilfsarbeitern. Man passiert kleine Städte, in denen hauptsächlich die kastilische Sprache zu hören ist und man kauft seine Lebensmittel im mexikanischen Supermarkt. Ein erster Vorgeschmack, auf unser nächstes Reiseland. Also auch, wenn Abschnitte vorüber gehen, liegt hinter der nächsten Kurve ein spannendes, neues Kapitel. Man muss nur hinsehen.

 


Kommentare

  1. Liebe Lena, lieber Marc, wieder so ein Samstag Morgen – erster Blick auf den Blog mit der Frage: „Gibt es endlich Neues?“ Und tatsächlich: gleich zwei neue Einträge. Also schnell eine Tasse Kaffee und ich versenke mich genussvoll in Eure neuen Bilder und die herrliche Beschreibung Eurer Erlebnisse. Von unserem gemütlichen Grassauer Häuschen, draussen regnet es in Strömen ( Es hat uns nun erwischt. So lange war traumhaftes Herbstwetter, so untypisch für November, unser Begleiter. ) folgen wir Euch durch Kanada, Oregon und Kalifornien…..Es ist herrlich, Eure Fotos wieder traumhaft schön! Mit einer großen, sehnsüchtigen Umarmung, Kerstin und Robert

  2. Wieder mal grandiose Aufnahmen und dazu noch eine deutliche Warnung vor Garberville! Muss mir mal die Homepage der Stadt ansehen…
    Es war so schön, euch in Carmel zu sehen!!! Bin gespannt, wie eure Reise weitergeht. Wünsche euch interessante Menschen, gigantische Landschaften und saubere Duschen Alles Liebe, Uschi

  3. Monika (Mama) sagt: November 26, 2015 at 10:41 pm

    Ihr Lieben – nun sind wir in unseren Erinnerungen ganz nah beieinander. Als ich Marc den Baum umarmen sah, hab ich doch begriffen, dass Ihr die Sequoien(Plural?)in Big Sur gefunden habt. Nur ein anderer Name für Red Woods.

    Hier ein Auszug aus Wikipedia:
    Der Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) ist ein immergrüner Nadelbaum. Er ist die einzige Art der monotypischen Gattung Sequoia aus der Unterfamilie der Mammutbäume (Sequoioideae) in der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Der Küstenmammutbaum ist der Staatsbaum des US-Bundesstaates Kalifornien. Zu dieser Art gehören die höchsten lebenden Bäume der Welt.

    Und nochwas vom „G’scheithaferl“:
    Der Küstenmammutbaum wird auch Küsten-Sequoie genannt. Die im englischen Sprachraum häufig anzutreffende Bezeichnung California redwood ist nicht eindeutig, da der nahe verwandte Riesenmammutbaum ebenfalls ein „Kalifornisches Rotholz“ ist. Die Gattung Sequoia wurde von ihrem Erstbeschreiber Stephan Ladislaus Endlicher 1847 wahrscheinlich nach Sequoyah benannt, dem Erfinder des Cherokee-Alphabets.

    DANKE für die Auffrischung meiner ‚Hochzeitsreise‘ – mit zwei Männern und einem Wohnmobil vor mehr als 27 Jahren ;-)!

  4. Die Ecke dürfte ich auch mal besuchen und es ist wunderschön. In Garberville war ich nicht, aber u.a. in Santa Cruz und Carmel. Da möchte man alle zwei Meter anhalten und Fotos machen. Die einsame riesige Pinie auf den Klippen habt ihr auch gesehen? Keine Ahnung, wie die da überhaupt wachsen konnte und immer noch steht.

    Hach schön, es ist ein Land für das gute Bauchgefühl…
    Und danke für die Bilder, im Kopf bin ich wieder da!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.