Canada / you&me

Wir verlassen Haines und wollen langsam in den Süden Canadas. Dabei stehen nicht all zu viele Strassen zur Auswahl. Es ist, als würde dir die Infrastruktur hämisch ins Gesicht lachen. Und erklären, dass du froh sein sollst überhaupt Strassen zur Verfügung zu haben. Geteerte, mit weniger als 20 Schlaglöchern pro Kilometer. Wir geben uns geschlagen und akzeptieren, dass wir wohl Einiges erneut zu Gesicht bekommen.

Nachdem wir das unliebsame Whitehorse noch ein Mal hinter uns gelassen haben, verbringen wir einen schönen Abend in den Takhini Hot Springs. Das heiße Wasser tut unseren beanspruchten Rücken gut. Den Tag danach sind wir ein paar Kilometer vor Watson Lake rebellisch drauf. Wir biegen einfach ab. Auf den Cassiar Highway 37- die westlichste Möglichkeit. Eine Strecke, die wir noch nicht kennen, nicht unsere geplante Route. Irgendwo auf dem 37ger, sehen wir eines Nachts die atemberaubendsten Nordlichter unserer Geschichte. Links vom großen Wagen entwickeln sich die grünen Schleier. Eine Stunde später, ziehen sie in einem Strang über den gesamten Himmel. Sie fließen und wabern in schnellem Tempo. So tief, dass die Sorge, sie fielen einem gleich auf den Kopf, gar nicht so abwegig ist. Wir genießen das Lichtspektakel staunend – die Kamera fällt uns erst wieder ein, als es fast vorbei ist. Inzwischen zählt der Tacho 13.000 Kilometer. Sind wir die gefahren? Unfassbar. Es hat wieder Plusgrade. So um die 12. Das animiert zwischendrin sogar dazu, lustig im T-Shirt rumzuspringen. Man gewöhnt sich also doch an die Kälte. Ein Grizzly und ein Schwarzbär beehren uns am folgenden Tag und die Welt ist gut. Ein weiterer Vorteil der Strecke: wir können uns Stewart/Hyder angucken. Die Strasse dort hin lohnt sich. Man fährt nah an Gletschern vorbei, sieht viele kleine Wasserfälle zwischen tropenartigen Wäldern und kann bei herunter gekurbeltem Fenster beinahe die Felswände berühren. Stewart ist eine Kleinstadt in British Columbia. Direkt angeschlossen liegt Hyder. Eine Geisterstadt, die zu Alaska gehört. Einzige Attraktion ist der Holzsteg entlang des Flusses. Da ist im Juli und August fröhliches Beisammensein von Lachs, Bär und schaulustigen Touristen. Im Oktober findet man da, ausser Lachsleichen, eher nichts mehr. Der Regen hat uns wieder fest in seinen Klauen und wir entscheiden uns – wie so oft – für die Asphalt. Weiter geht es auf dem Cariboo Highway. Wir landen in Prince George. 6700 Einwohner. Der Tourismusverband beschreibt seine Stadt mit den Worten: Urbane Eleganz. Selten haben wir so gelacht. Die vielen aus dem Boden gestampften Industriegebiete haben nichts mit Eleganz zu tun. Dieses „Urban“ können wir auch nicht finden. Nichtsdestotrotz gönnen wir uns in der Nähe einen Campingplatz mit Dusche. Und als die Sonne den Regen für einen Tag verdrängt, nutzen wir die Gelegenheit für einen ordentlichen „Hausputz“. Gelüftete Schlafsäcke, gewaschene Wäsche, aufgeräumter Bus und zwei frisch geduschte Menschen. Gute Laune – Hallo!

Es zieht uns weiter Richtung Süden. Als die Dämmerung einsetzt, suchen wir nach einer Schlafmöglichkeit. Spontan folgen wir dem Schild, dass uns zum Lake Helena führen soll. 12 Kilometer unbefestigte Strasse weisen uns zu einem abgelegenen, staatlichen Campingplatz. Hier gibt es nicht viel, aber alles was wir uns wünschen: Einen wunderschönen See, einen Platz für den Bus zwischen hohen Bäumen und Stille. Die Dayuse Area ist vom Campingbereich abgetrennt. Der Wald bietet uns genügend Holz für das Lagerfeuer aber auch für Schnitzereien. Wir bleiben zwei Nächte und drei Tage. Gönnen uns die Zeit. Wir haben es nicht eilig. Sind dennoch viel zu schnell. Die Sonne spitzt zwischen den Wolken durch und wärmt die Haut. Wahrscheinlich sollte man öfter Wege einschlagen, die man nicht geplant hatte…

 


Kommentare

  1. Ja, das scheint eine sehr gute Idee gewesen zu sein – was für ein wildromantischer Platz! Die Tage im Regen mag ich mir nicht wirklich vorstellen – da genieße ich schon lieber Eure herrlichen Fotos mit diesem wunderschönen Licht. Ich denke sofort, ahh wie toll, das will ich auch mal sehen und erleben – leider weiß ich ganz sicher, dass die Regentage und die Kälte die Ihr schon überstanden habt, so gar nichts für mich Warmduscher sind. Ich bewundere Euch sehr – Dich ein bisschen mehr, liebe Lena ( meines Bruders Abenteurer-Herz kenn ich ja:))

  2. Sieht traumhaft schön aus! Oft sind die ungeplanten ja die schönsten Wege =) Dicke Umarmung an Euch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.