Mexiko / you&me

Mexiko ist ein vielfältiges Land. Das bezieht sich nicht nur auf Natur, sondern auch auf Städte und Einwohner. Erreicht man die Yucatan Halbinsel erschlagen einen die Geräusche und Farben der Tourismusindustrie. Alles ist plötzlich lauter, teurer und greller. Es hat wenig mit den authentischen Fischerdörfern zu tun. Es fällt einem zunächst schwer, die neue, oftmals amerikanisierte Umgebung zu akzeptieren. Innerlich fechtet man einen Kampf aus. Freut man sich einerseits auf die Annehmlichkeiten einer modernen Stadt, fehlt einem andererseits das Traditionelle. Wir wollen das Land aber kennen lernen, und dazu gehört eben auch diese Seite. Also machen wir uns auf, das touristische Mexiko zu erkunden.

Auf dem Weg nach Mérida legen wir einen Abstecher zu den Maya Ruinen von Uxmal ein. Beeindruckend ragen die sandfarbenen Tempel aus dem satten Grün hervor. Architektur und Dekor der Gebilde faszinieren jährlich viele Besucher. Dennoch war das Gelände nicht überfüllt und wir konnten uns entspannt umsehen. So entspannt, wie das bei 37 Grad und 1000% Luftfeuchtigkeit eben ist. In Mérida angekommen suchen wir uns ein günstiges Hotel mit sicherer Parkmöglichkeit im historischen Zentrum. Zu Fuß erkunden wir für die nächsten zwei Tage die Stadt. Dabei ist das Buch „The New York Times – 36 Hours Lateinamerika & Karibik“ ein guter Begleiter. Von mexikanischen Gesängen und Tänzen auf der Freiluftbühne bis hin zum Markt am Platz der Kathedrale nehmen wir alles mit. Ein Highlight ist das „El Rodeo“. Ein dunkler, schummriger Club in der Calle 59. Zu Livemusik tanzen Pärchen jeden Alters Salsa. Trotz der hohen Touristenanzahl in dieser Stadt, sind wir die einzigen Ausländer. Sonntags wird ein Teil der Stadt für Fahrradfahrer gesperrt und am Park Santa Lucía treffen sich Senioren, um zu mexikanischer Musik Cha-Cha-Cha tanzen. Über die Ruta Flamingo fahren wir dann weiter nach Celestún. Auf dem Wasserweg erkundet man den Lebensraum der Flamingos und fährt mit geduckten Köpfen durch einen Mangrovenwald. Findet man sich an der Kasse als Gruppe zusammen, werden die Tickets günstiger. Gegen Nachmittag geht es wieder auf die 180 nach Quintana Roo. Auf halbem Weg liegt die berühmte Chichen Intza Ruine. Das gleichnamige Dorf soll unser Übernachtungsplatz werden. Dafür müssten wir aber im Dunkeln fahren, eigentlich ein No Go. Nach einigem Abwägen beschließen wir lieber eine Stunde im Dunkeln zu fahren, als eine ganze Nacht an einer Tankstelle zu campieren. Also geht es auf die 180D. Ein super ausgebauter Highway mit hohen Mautgebühren. Er scheint sicher zu sein. Um die Anspannung ein wenig abzumildern drehen wir die Musik laut und singen mit. Unversehrt erreichen wir die kleine Stadt. Der Fußballplatz wird zu unserem Stellplatz und wir essen ein Pollo Milanesa im örtlichen Restaurant. Dort beehren uns drei herrenlose Hunde. Sie begleiten uns durch die Strassen und folgen sogar ins Schuhgeschäft, bis sie dort von der Besitzerin verscheucht werden. Am nächsten Morgen dann die Enttäuschung. Vor den Toren des Chichen Itza stehen hunderte Leute an. Schweren Herzens entscheiden wir uns dagegen. Die Wartezeit würde einfach zu lang dauern und wir wären erneut der Dunkelheit ausgesetzt. Zurück im Bus steuern wir also noch am gleichen Tag das letzte gemeinsame Ziel mit Dennis an: Cancún, das Mallorca der Amerikaner. Ein Campingplatz nördlich der Stadt ist unsere Wahl. Nahe des Fährhafens Puerto Juárez, liegt er für unsere Pläne günstig. Als wir auf das Gelände fahren, fallen uns gleich zwei Fahrzeuge mit deutschen Nummernschildern auf. Soll es nun endlich sein, dass wir nach vier Monaten Gleichgesinnte treffen werden? Wir richten uns bei Regen ein und verbringen den Abend unter der Markise. Die Mücken laben sich wieder fleißig an unserem Blut, so dass wir recht früh die Flucht ins Bett ergreifen. Am nächsten Morgen nehmen wir die Fähre von Puerto Juárez zur Isla Mujeres. Die Strände der Insel gehören zu den 25 Besten der Welt. Als wir in das türkisblaue Wasser waten und auch nach einigen Metern unsere Füße noch glasklar erkennen können, flippen wir aus. Der Fisch mit frischem Gemüse in einem der Restaurants schmeckt hervorragend. Nur das amerikanisierte Ambiente stört. Wir sind in Mexiko, warum also amerikanische Livemusik und Cheeseburger auf der Karte? Im Dunkeln nehmen wir die Fähre zurück. Dennis letzter richtiger Tag in Mexiko wird dazu genutzt uns auszuruhen und abends mit dem öffentlichen Mini-Bus nach Cancún zu fahren. Wir wollen rausfinden, ob die Stadt so ist, wie ich sie vom letzten Besuch in Erinnerung habe. Und siehe da: es ist noch schlimmer! Im Reiseführer wird empfohlen die Avenida Bonampak am Ufer der Laguna Nichupté entlang zu schlendern. Diese entpuppt sich als Shoppingmeile mit vielen amerikanischen Restaurants, Hotels und Mall am Ende. Wir flüchten weiter, um in einem dunklen Park zu enden, der nirgends hin führt. Am Rande stehen Schilder, die vor Krokodilen in der Bucht warnen. Großartig! Auf der Suche nach einem Abendessen, fragen wir einen Taxifahrer ob er uns auf die „Isla“ bringt. Für 180 Pesos fahren wir auf den langgezogenen Inselarm vor der Stadt. Dort wird alles nur noch schlimmer. Grelle Lichter, lärmender Musikmix aus allen Restaurants, Herren die dich halb in ihr Restaurant zerren und wieder viel zu viel Nicht-Mexiko. Während dem Essen fragen wir uns, warum wir eigentlich hier sind. Erschöpft lassen wir uns zum Campingplatz zurück fahren und genießen die Ruhe. Wir beschließen gemeinsam: das andere Mexiko, dass vielleicht ärmer und weniger luxuriös sein mag gefällt uns besser. Denn es hat etwas ganz Entscheidendes: es ist echt.

Die Zeit mit Dennis ist zu schnell vergangen. Während wir gemeinsam am nächsten Morgen seine Tasche packen, fließen die ersten Tränen. Wir überlegen noch, mit welcher guten Begründung er jetzt seinen Rückflug verpassen könnte. Auto defekt, Hüfte eingipsen, Stromausfall verursachen? Aber es hilft alles nichts. Nach ein paar letzten Fotos verabschieden wir uns schweren Herzens. Die Sicht verschwommen, verschwindet der Kerl hinter dem Security Check des Flughafens. Ich hab nur was im Auge. Bye Bye Großer! Schön, dass du hier warst.


Kommentare

  1. Monika (Mama) sagt: Januar 11, 2016 at 1:29 pm

    Hab schon sehnsüchtig auf Neues aus Mexico gewartet und freue mich über die wunderbaren Bilder, die Euch drei so fröhlich zeigen. Ist natürlich nur die „halbe Wahrheit“ – den Rest wird Dennis nach seiner Rückkehr berichetn. ¡Qué aventura y qué felicidad!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.