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Manche Orte reizen einen, andere nicht. So haben wir uns gegen Los Angeles entschieden – und für Venice. Die Stadt im wahrlich riesigen Outskirt von LA, lockt uns mit dem berühmten Venice Beach und der pulsierenden Andersartigkeit der Menschen.

Hungrig suchen wir nach einem Abendessen. Venice Beach ist nach Sonnenuntergang, wie ausgestorben. Aber dadurch stoßen wir auf das beleuchtete Big Daddy Shak. Der Glückstreffer schlechthin. Dort wird Reis mit frischen Zutaten serviert. Man hat die Wahl zwischen großer und kleiner Schale, Lachs oder Thunfisch und allen Möglichen anderen Extras. Gesundes Fastfood, hawaiianisch angehaucht. Perfekt. Als wir dann nach Russ und Sues Haus Ausschau halten ist es bereits später Abend. Bernhard, bei dem wir mehrere Tage im Topanga Canyon verbrachten, hat uns angekündigt. Nach einem unglaublich netten, bierreichen Abend übernachten wir in deren Einfahrt. Ohne von der Polizei geweckt zu werden. Wie wir später erfahren, ist Venice insgesamt um Einiges toleranter. Man kann dort ungehindert am Randstein parken und in seinem Auto übernachten. Wenn man Lust hat und mutig ist, schläft man mit den obdachlosen Künstlern am Strand. Der nächste Morgen weckt uns mit strahlendem Sonnenschein und wohltuender Wärme. Wir schlendern durch die Straßen und finden ein Frühstückscafé im New York Style. Unverschämt teuer, aber auch unverschämt lecker. Ganz Westcoast, erkunden wir danach mit unserem Bus die Umgebung. Mittags ruft Venice Beach. Es ist Samstag und genau der richtige Tag, um Leute zu gucken. Mit dunkler Sonnenbrille ausgestattet und einer weiteren Schale von Big Daddy Sack in der Hand, stiefeln wir los. Man kann förmlich spüren, wie sich die Energie an der Promenade verändern. Menschen verdienen hier ihr Geld mit Strassenkunst. Artisten kommen zusammen und widmen sich einem Plausch. Es ist bunt, laut und pulsiert. Hier geht es um sehen und gesehen werden. Neben Muscle Beach liegt ein Basketballplatz. Es trainieren aufgepumpte Gewichtheber neben langen, drahtigen Basketballern. Eine Gruppe junger Frauen steht mit Smartphone am Spielrand. In den Augen der Ladies mit knappen Shorts blitzt es. Die Szenerie wird überprüft. Ist Konkurrenz da? Oder ein potenzieller Verehrer?Plötzlich steigt schwarzer Rauch auf. Es kommt vom Meer. Menschentrauben wandern Richtung Wasser. Ein leeres Boot brennt. Trotz strahlendem Sonnenschein ziehen schwarze Wolken über Venice auf. Die Sirenen ertönen. Doch zwei Stunden später, ist alles vorbei. Auf halber Strecke unter einem Pavillon sammelt sich eine Gruppe Trommler. Wir bleiben stehen. Sie treffen sich hier jeden Samstag und im Laufe des Nachmittags werden es bis zu 100 Musiker. Gemeinsam pilgern sie dann zum Strand. Man kennt sich nicht. Es gibt keine Noten oder Regeln. Der Beat bringt sie zusammen und entwickelt sich von allein. Eine lange Zeit lauschen wir den Drums, Rasseln und Bongos. Männer und Jungs wippen im Takt. Eine Dame mit lateinamerikanischem Blut tanzt sich über Stunden in Ekstase. Manche wechseln das Instrument. Ein Lied geht zu Ende, ein Neues beginnt. Sie werden nicht müde, sich in neuen Rhythmen zu finden. Bis die Sonne am Horizont verschwindet.


Kommentare

  1. Ach ja, und schon will ich wieder rüber… Venice ist eine unglaubliche Ansammlung von interessanten Menschen, klasse! Toller Bericht, stimmungsvolle Bilder.

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