Mexiko / you&me

Urlaub vom Urlaub. Für die meisten klingt das unsinnig, gar vermessen. Wieso sollte man bei so einem großartigen Abenteuer eine Pause brauchen? Ganz einfach: die Flexibilität sich immer wieder auf neue Gegebenheiten einzustellen – und das in kürzester Zeit – kostet Kraft. Es ist gut. Es spannend. Es ist Erfahrung. Dennoch brauchen Kopf und Körper manchmal eine Auszeit. Diese gönnen wir uns in Isla de Aguada.

Nachdem wir einen kurzen Abstecher nach Villahermosa machen, landen wir wieder auf der Carretera 180. Diese Strasse ist einer der wichtigsten Verbindung entlang der Ostküste Mexikos. Streckenweise werden die „Topas“ zu einer ernsthaften Bedrohung. Oft unangekündigt erheben sich die Betonhügel auf der Fahrbahn. Wird nicht rechtzeitig gebremst, sind sie ein Garant für Achsbrüche. Sie bezwecken ein gemäßigtes Tempo in den Ortschaften. Strassenschilder und riesen Polizeiaufgebot allein reichen wohl nicht. Außerdem nutzen Strassenverkäufer die erzwungene Entschleunigung, um ihre Waren an Autofenstern darzubieten. Der Weg führt uns über Ciudad del Carmen. Eigentlich wollten wir dort Silvester verbringen. Auf der Suche nach einem Campingplatz sehen wir am Strassenrand einen Mann, der im Schatten seiner Haustür ein Buch liest. Er grüßt freundlich und klärt uns dann darüber auf, dass Carmen eher eine gefährliche Stadt ist. Vor allem nachts. Camping gibt es hier auch nicht. Also weiter in das circa 50 Kilometer entfernte Fischerdorf Isla de Aguada. Die Kombination aus ruhigem Fischerdorf, weißem Sandstrand und einzigartigen Sonnenauf- und Untergängen lockt viele Mexikaner und Extranjeros in das Freedom Shore. Dort findet man sowohl Hotelzimmer als auch Stellplätze. Die Besitzerin ist eine gesprächige ältere Dame mit hervorragendem Englisch. Wir parken in der ersten Reihe mit Blick auf das Meer. Der dünne Maschendrahtzaun, so wie die Stromleitungen trüben die wunderschöne Aussicht ein wenig. Garantieren dafür aber Strom und Sicherheit. Als das Dachzelt ausgeklappt ist, die Campingstühle aufgebaut wurden und die Hängematte an den Bäumen hängt genießen wir den Sonnenuntergang. Zu späterer Stunde schaut ein Deutscher mit seiner mexikanischen Freundin vorbei. Nach zwei gemeinsamen Bier entscheiden wir: man kann, aber man muss nicht jeden mögen. Der nächste Tag ist der letzte des Jahres 2015. Die Sonne scheint und nach einem ausgedehnten Frühstück lassen wir unsere Seelen baumeln. Viel mehr geht bei 35 Grad und andauernden Schwitzattacken auch gar nicht. Beschweren würden wir uns aber nie. Um 23.30 Uhr deutscher Zeit machen wir uns auf den Weg ins Dorf. Wir stellen uns der Aufgabe: Finden Sie Wifi im Nirgendwo. Und Tatsache, ein kleines Hotel inmitten des Dorfes hat Internet. In meinem (noch) chaotischen Spanisch kann ich den Herrn am Tresen dazu überreden den Anschluss nutzen zu dürfen. So können wir unseren Lieben relativ pünktlich ein frohes neues Jahr wünschen. Völlig unaufgeregt gibt es Spaghetti vom Gaskocher und ein paar Bier, als wir kurz vor 00 Uhr den Prosecco und die Zigarren hervorholen. Wir zählen runter und liegen uns in den Armen. Noch ein kleiner Spaziergang durchs Dorf beweist, dass es die Einwohner auch eher ruhig angehen lassen. Mitten in der Nacht wollen wir das neue Jahr mit einem Sprung ins Meer einleiten. Wir schaffen es genau bis zu den Hüften. Einvernehmlich stehen wir dort. Ein neues Jahr. Und wir starten es gemeinsam. Am Strand von Mexiko.

Die Zeit vergeht wie im Flug und ehe wir uns versehen sind die drei Entspannungstage um. Wir packen zusammen und zum Abschied schaut auch unser Freund, der weiße Hund mit den braunen „Augen“ noch ein Mal vorbei. Wäre es nach ihm gegangen hätten wir ruhig noch ein paar Tage bleiben können. Wir haben aber wieder etwas Kraft getankt. Wollen weiter, uns wieder auf etwas Neues einstellen.


Kommentare

  1. Monika (Mama) sagt: Januar 5, 2016 at 5:02 pm

    Schön, Euch auf diesem Weg gesund und munter in Neuen Jahr begrüßen zu können. Hatte Isla Aquada schon gegoogelt, um mir vorstellen zu können, wo Ihr das Neue Jahr beginnt. Danke für die zeitnahen ‚reports‘ – trotz der Wahnsinnshitze. Muchos besos e hasta luego!

  2. Wir haben uns so sehr gefreut, dass Ihr pünktlich Wlan gefunden habt – mit Euch in neue Jahr zu starten war mehr als wir uns erhofft hatten. Herrliche Bilder – ich freue mich wie immer auf mehr….Viele Küsse!

  3. Frohes neues Jahr, Ihr Lieben.
    Klingt alles so toll – krass auch, durch welche Klimazonen ihr reist. Ich freu mich immer so über eure Berichte.
    Bleibt gesund und fröhlich und bis bald
    Nina

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