Foto / Zentralamerika

An der Grenze zu Honduras müssen wir zunächst darauf warten, dass die Dame für die KFZ Ausfuhr ihr Mittagessen beendet. Den Beamten für die Einfuhr müssen wir wecken. Er war vor seinem Fernseher eingeschlafen. Der arme Mann begreift gar nicht, dass er jetzt tatsächlich was tun soll. Dementsprechend langsam und verwirrt bearbeitet er unseren Antrag. Die laufende Nummer der Quittung stimmt später nicht mit der, des Systemantrag überein und als es an die Zahlung geht, wird die Summe aufgerundet, da kein Wechselgeld vorhanden. Aber alles „no problema“! Weiter am Einreiseschalter hätten wir diesen Officer dann fast aus seinem Kabuff gezerrt. Mit Macho-Manier und zur Schau getragener Unlust nimmt er sich unserer Pässe an. Als die 67 Lempira Gebühr pro Person fällig sind, eröffnet er uns, er habe auch kein Wechselgeld. Wir sollten uns gefälligst selbst darum kümmern Kleingeld zu besorgen. Okay, durchatmen. Wir stehen also seit drei Stunden wartend an dieser Grenze. Haben für das Auto schon grundlos mehr bezahlen müssen. Vor uns waren bestimmt 50 Menschen dran, wovon sicherlich jeder diese Gebühr bezahlen musste – und jetzt kommst du verdammter Macho-Idiot daher und hast wieder kein Wechselgeld ODER WAS? Ihr seht, ruhig bleiben hat nicht so gut funktioniert.

Als Entschädigung eröffnet Honduras mit einem Highlight. Eine der ältesten Maya Ruinen findet man direkt nach der Grenze. Wir sind in Copan. Das gleichnamige Städtchen überrascht uns mit kleinen, guten Restaurants und netten Gassen. Wir sind trotzdem froh an der Polizeistation campen zu dürfen. Die Warnungen zu diesem Land bleiben im Hinterkopf. Am nächsten Morgen erkunden wir die heilige Stätte, freuen uns über frei fliegende Aras und einen kleinen Affen der sich mit einem Lolli beschäftigt. Insgesamt sind diese Ruinen anders. Nicht so weitläufig, wie die bisherigen. Auch die mit Hieroglyphen versehene Steintreppe beeindruckt. In der Mittagshitze sind wir zurück an den Autos. Fabi hat leider einen Infekt, so dass sich unsere Wege zunächst trennen. Wir fahren die Südstrecke – Gracias ist unser nächstes Ziel. Die Bergstadt gilt als die kleinere Version des schönen Antigua. Die Beiden fahren die kürzere Nordstrecke, sobald es Fabi besser geht. Am Lago Yojoa wollen wir uns wieder treffen. Die Strassen nach Gracias winden sich durch beeindruckende Landschaft. Die grün bedeckten Berge bilden einen schönen Kontrast zum strahlend, blauen Himmel. Wir sind überrascht, dass der Asphalt in so guter Kondition ist. In Gracias angekommen, parken wir den Bus auf der Finca Bavaria. Der Bayer ist schon lang gegangen, die bayerische Fahne hängt trotzdem noch. Zu Fuß geht es los durch die kleinen Gassen. Wir besuchen das Castillo San Cristóbal, von dort hat man einen Blick über die Stadt. Abends ist es endlich so weit: wir essen an einem Strassenstand einheimische Küche. Eine honduranische Mama kommt mit ihrem Mann angefahren. Im Nu werden Gasgrill, Tische und Stühle und ein Pavillon aufgebaut. Sie packt verschiedene Plastikschüsseln mit vorbereitetem Teig aus. Es gibt Empanadas mit verschiedenen Füllungen oder kross gegrillte Tortillas mit Hühnchen. Wir bestellen von allem etwas. Die Se­ño­ra lacht, scherzt mit den Einheimischen und alle freuen sich über das gute Essen. Wozu braucht man einen McDonalds, wenn man stattdessen eine neue, so fröhliche Esskultur kennen lernen darf?  Weiter geht es zum Lago Yojoa. Eines der honduranischen Highlights liegt inmitten des Landes und lockt mit zahlreichen Freizeitaktivitäten in der Natur. Die D&D Brewery wird uns dabei als Station empfohlen. Zum Glück. Steigt man die Kiestreppen herunter, landet man in einer eigenen Welt. Inmitten von tiefstem Dschungel liegt hier ein Restaurant mit guter Küche und nettem Besitzer. Die Gäste sind aus allen Teilen der Erde. Mit einem frischen Jugo in der Hand, umschwirrt von vielen Kolibris warten wir also auf Julia und Fabis Ankunft. Beim Abendessen planen wir den nächsten Tag. Kajakfahren soll es sein, über den Kanal in den großen See. Am nächsten Morgen geht es zur Familie, die uns zwei Single-Kajaks und ein Kanu leiht. Das Auto, mit dem wir abgeholt werden gleicht einem fahrenden Schrotthaufen. Unterboden durchgerostet, Fensterscheiben braucht man nicht, Gänge müssen auch nicht alle gehen. Und wir machen uns Sorgen, wenn es im Bus mal ein bisschen klappert! Die Boote sind glücklicherweise in einem viel besseren Zustand. So geht es also – sogar mit Lucy – zu Wasser. Wir verbringen einen wunderschönen Tag auf dem Lago Yojoa. Nach einem weiteren hervorragenden Abendessen beschließen die vier Freunde und der Hund, dass sie ab Nicaragua wieder getrennte Wege fahren. Fast sechs Wochen waren wir zusammen unterwegs. Haben uns gemeinsam durch die „gefährlichsten“ Länder der Strecke geschlagen und eine gute Zeit miteinander verbracht. Danke dafür!

120 Stunden in Honduras. Das gefährlichste und anstrengendste an diesem Land war eindeutig: die Grenze. Wir sind mit einem mulmigen Gefühl rein gefahren und wurden, wie so oft, eines Besseren belehrt. Sicherlich gibt es gefährliche Gebiete, sicherlich muss man aufmerksam und sensibilisiert reisen. Aber sicherlich lohnt es sich auch, Honduras eine Chance zu geben. Sich von der Schönheit dieses Landes selbst zu überzeugen. Ohne Vorurteile.


Kommentare

  1. Mama (Monika Scherer) sagt: März 8, 2016 at 1:48 pm

    Ist richtig gutes Essen nicht etwas Herrliches, wenn man wochenlang auf einen Campingkocher angewiesen ist? Du hast das so toll beschrieben,dass mir auch gleich das Wasser im Mund zusammengelaufen ist. Es muss bei Weitem nicht alles perfekt sein, um Glück zu empfinden. Was für eine befreiende Erfahrung! Liebe Grüße von Brigitta, die Euren Blog mit Begeisterung verfolgt, aber nur immer mir etwas davon erzählt.Bis bald!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.