Foto / Kolumbien

Für Kolumbien haben wir insgesamt nur zweieinhalb Wochen Zeit. Wissend, dass es zu kurz sein wird, um alles Schöne dieses Landes zu sehen. Schwer fällt die Entscheidung Sehenswertes wegzulassen. Auch wenn das kein Normalsterblicher verstehen kann – ein Jahr ist einfach zu kurz! So müssen wir gleich zu Anfang den beeindruckenden Norden auslassen und machen uns auf Richtung Süden. Hinauf geht es, in die Berge Kolumbiens.

Drei Tage durchgehend sind wir auf der Strasse. Genug Gelegenheit, um sich über waghalsige, wenn nicht sogar völlig hirnrissige Überholmanöver zu wundern. In Staus zu stehen, die durch ebendieses dreiste Überholen verursacht werden. Menschen am Wegrand zu beobachten und immer wieder mit 25 km/h den Berg hochzukriechen. In dieser Zeit wird uns bewusst, wie anders die Menschen hier sind. Netter. Neugieriger. Offener. Mit mehr Lebensfreude. Nicht selten wird uns gewunken, im Stillstand des Staus gefragt, ob wir wirklich den ganzen Weg aus „Alemania“ gekommen sind. Und den FC Bayern kennt sowieso jeder. Als wir die kleine Stadt Guatapé erreichen, begrüßen uns bunte Häuserfronten und noch mehr freundliche Menschen. Wir suchen uns einen Platz außerhalb, direkt am Wasser. Der Tiefstand der Sonne zaubert ein herrliches Licht über das satte Grün, Pferde grasen neben unserem Bus und wir richten uns mit dem Grünen ein. Durchatmen. Genau richtig. Pause. Hier und Jetzt. Zwei Tage schalten wir an diesem friedlichen Ort ab, bevor Guatapé genauer erkundet wird. Wir hatten unsere Wäsche abgegeben und wollten sie zur vereinbarten Zeit holen. Pünktlich stehen wir vor der Tür der Wäscherei. Der Herr informiert uns unbedarft, dass unsere Kleidung legere drei Stunden später fertig würde. Drei Stunden! Er hat vermutlich keine Ahnung, was er unserem inneren, typisch deutschen, Uhrwerk damit antut. Und haben wir nach all den Monaten in Lateinamerika eigentlich immer noch nichts gelernt? Wenn etwas nicht zu ändern ist, mach das Beste daraus. Und so finden wir einen unglaublich freundlichen Herren mit Hut, der in einem Café den vorzüglichsten Kaffee der Stadt macht. In ein paar Souvenir-Läden vertreiben wir uns die restliche Zeit und kehren drei Stunden später zur Lavanderia zurück. Und ratet… Die Wäsche war immer noch nicht fertig. Geduld ist hier keine Tugend, sondern eine überlebensnotwendige Voraussetzung! In den weiteren 40 Minuten Wartezeit passiert jedoch erneut etwas Gutes. Arash. Der junge Mann ist zur selben Zeit, wie wir in Guatapé. Wir hatten uns nach Cartagena voneinander verabschiedet und tadaaa – nun haben wir ihn zurück. Gemeinsam fahren wir zum Highlight der Umgebung. Ein riesiger glatter Fels, in den sie architektonisch chaotisch 750 Stufen gezwungen haben. Für Eintrittsgeld darf man sich diesem schweißtreibenden Aufstieg dann auch stellen. Es lohnt sich. Von oben hat man einen grandiosen Ausblick auf die Seenlandschaft, die das Gebiet ausmacht. Bei klarem Himmel kann man unendlich weit sehen. Nach getaner Arbeit widmen wir uns dann noch dem Thema: wer kauft die verrückteste Sonnenbrille. Mit Erfolg – jeder findet sein ganz spezielles Modell. Na dann, können wir uns ja jetzt auf nach Medellin machen. Sowohl Arash, als auch wir waren schon kurz dort. Tagsüber gefällt uns die Stadt nicht. Dieses Mal geht es aber nicht um den Tag. Wir erkunden für ein paar Stunden das Nachtleben. Es fetzt. Die Metropole hat eine Vielzahl an guten Bars und Clubs zu bieten. Sowie eine schöne Outdoormeile. Unter Lichterketten sitzt man an Europaletten und gönnt sich gute Gespräche und Aguadientes. Ein klarer Anis-Schnaps. Am nächsten Morgen schmeißen wir mal wieder unsere Routenpläne über den Haufen und fahren gemeinsam mit Arash nach Salento. Die kleine Stadt in der Mitte Kolumbiens hat angenehm kühle Temperaturen und schöne Landschaft zu bieten. Wieder steht uns eine lange Fahrt bevor und wir geraten ins Dunkle. Als wir endlich auf dem Campingplatz La Serrena ankommen können wir unser Glück kaum fassen. Neue, saubere, moderne Duschen – mit heißem Wasser! Arash zieht für die nächsten Tage in unser Dachzelt ein. Hier parken auch schon eine Reihe anderer Overlander. Den folgenden Tag verbringen wir im Dorf. Salento hat eine bunte Hauptstrasse mit vielen Schmuck- und Souvenir-Läden zu bieten. Die Kaffeekultur ist auch hier großgeschrieben und man findet wieder jede Menge nette, lächelnde Menschen. Zum Beispiel drei ältere Herren, die dir Vormittags um zehn schon ein Stamperl Aguadientes anbieten. Ablehnen ist nicht. Nachmittags nehmen wir dann einen Minibus nach Boquia. Dort beginnt der eineinhalbstündige Wanderweg zum Wasserfall Santa Rita. Auf dem Rückweg entdecken wir einen alternativen Weg, der etwas abenteuerlicher ist. Man läuft über klapprige Hängebrücken in dunkle Höhlen und schlägt sich auf einem kleinen Pfad durch den Dschungel. Wir hatten Spaß. Zurück auf dem formidablen Campingplatz kommen wir mit den anderen Reisenden ins Gespräch. Kurzerhand beschließen wir gemeinsam zum Valley de Cocora zu fahren und das Kolibri-Haus zu besuchen. Drei Stunden geht es einen vielseitigen Wanderweg stetig bergauf. Wieder über wackelnde Hängebrücken und steinige Wege. Alternativ kann man das Ganze auf Pferderücken überwinden. Im Kolibri-Haus schwirren die kleinen, flinken Vögel zahlreich umher. Sie sind über Zuckerwasser in Vogeltränken angefüttert. Ein schöner Ort um eine Pause einzulegen. Ein Teil der Gruppe, inklusive mir, macht sich auf den Rückweg. In Salento finden wir ein einladendes Café mit dem besten Zitronenkuchen dieses Planeten. Die Gesichter strahlen vor Verzücken. Arash und Marc gehen die lange Tour und landen im eigentlichen Valley. Hier findet man bis zu 60 Meter hohe Palmen und einen grandiosen Ausblick. Es ist noch nicht ausdiskutiert, wer jetzt etwas verpasst hat.

Und wieder ein Mal stehen Abschiede an. Zuerst fahren Kathrin und Uwe. Am nächsten Tag Raymonde und Thomi aus der Schweiz. Ihre Landsleute Steffi und Sven bleiben noch eine Nacht länger, so wie wir. Diese Beiden haben wir besonders lieb gewonnen. Nicht nur hat Steffi meine lange Suche nach einem neuen Notizbuch mit einem Geschenkten beendet, wir haben auch noch gemeinsam gekocht. Und wie! Auf Reisen sind die Begegnungen intensiv. In kurzer Zeit kann man Leute entweder gar nicht – oder sehr, sehr gut leiden. Das Abschied nehmen fällt dann schwer, ist aber genauso Teil des Trips wie Atmen. Also sagen wir Goodbye, hoffen auf ein Wiedersehen und machen uns weiter auf den Weg. Die kurvigen Strassen Kolumbiens erwarten uns erneut.


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