Foto / Zentralamerika

Dichter Nebel hängt über den Strassen. Frauen, wie Männer sind in gedeckte Farben gekleidet und säumen die Strassen. Es ist Sonntag. Der Tag der Kirche. Wir befinden uns im Hochland von Guatemala, auf 2000 Metern. Da sollte man sich über 10 Grad und nasskalt nicht wundern. Kurvig windet sich der Asphalt hinab, zurück auf 1300 Meter. Die perfekte Höhe, um Kaffee anzubauen. Auf dem Gelände der Cooperativa Chicoj Coban werden wir die Nacht und den folgenden Vormittag verbringen. Das nächste Ziel ist die viel gelobte Stadt Antigua. Dort gibt es aber nur schlechte Camping Möglichkeiten. So entscheiden wir uns für einen Platz etwas außerhalb der Stadt. Zum Glück, wie wir später feststellen werden. Die vergangenen Regentage sorgten für unreines Chaos im Bus. Jeder der mich kennt weiß, dass das zu einem besorgniserregenden Zustand meines Gemütes führen kann! Armer Marc. Wir nutzen also die Nachmittagssonne, um endlich wieder Klarschiff zu machen. Während der Blue Hour bestaunen wir den Gipfel des Vulkan de Agua. Wir haben perfekte Sicht. Doch plötzlich kommt hinter den Rauchschwaden ein roter Schimmer zum Vorschein. Erst vermuten wir, die Abendsonne spiegele sich in den Rußpartikeln. Zu abwegig ist die Vorstellung eines Vulkanausbruchs. Naja – manchmal ist das Leben aber abwegig. Der Vulkan bricht tatsächlich in dieser Nacht mit einer ungewöhnlichen Stärke aus. Stundenlang stehen wir in der Kälte und beobachten mit Fernglas und Teleobjektiv, wie sich die heiße Lava ihren Weg den Berg hinunter bahnt. Funken sprühen über dem Krater, wie bei einem überdimensionalen Lagerfeuer. Ganz schön aufregend. Am nächsten Morgen ist von der glühenden Spitze nichts mehr zu sehen. Der einzige Beweis für den Ausbruch ist die Asche, die in Antigua in der Luft schwebt. Und zwischen den Zähnen knirscht. Wir genießen die farbenfrohen Gassen dieser, nicht unangenehm touristischen Stadt. Die abgenutzten Fassaden an nahezu jedem Haus, lassen das Fotografenherz höher schlagen. Gekonnt holen wir uns einen Sonnenbrand, während das bunte Treiben dieses Ortes uns mitreisst. Hier gibt es eine Station der Policia Tourista, die es erlaubt auf ihrem Grund zu campen. Sie erlaubt auch, gefühlt allen Schulen drum herum, das Gelände als Sportplatz zu nutzen. So können wir Jungs, wie Mädels, beim Kicken im Staub beobachten. Zufällig auch dort, sind Karin und Manni. Die Beiden bereisen die Panamericana von Süd nach Nord, Zeitraum unbegrenzt. Karin hatte uns bereits eine Email geschrieben und mit den Worten „vielleicht sieht man sich ja bald in Guatemala“ geschlossen. Als hätte sie es gewusst. Alle zusammen gehen wir in ein österreichisches Restaurant und enden mit Rum in ihrem umgebauten LKW. Endlich machen wir uns auf den Weg Richtung Süden. Zu einem unserer Highlights – Der Lago de Atitlán. Wir kämpfen uns – mit Pausen für die Bremsen – eine unglaublich steile Strasse herunter. Zur Belohnung landen wir an einem wunderschönen Platz mit hervorragender Aussicht. Hier wollen wir uns ein wenig Pause gönnen. Wäre da nicht die Wäsche. In Lateinamerika wäscht man prinzipiell mit kaltem Wasser. Zum Ausgleich wird der Trockner dafür umso heißer eingestellt. Logisch. Resultat sind vergilbte, zu kleine T-Shirts und graue Laken. In mühsamer Handarbeit waschen wir meterweise Bettzeug mit irgendeinem Chemie-Kram, in der Hoffnung es würde besser. Vergebens. Und wenn jetzt einer fragt, warum wir auch weiße Bettlaken mitgenommen haben. Ja, hm, also – die waren halt im Schrank.

Unsere letzten Kilometer in Guatemala führen uns nach Chiquimula. Auf eine Ranch in der Nähe der Grenze. Ein wunderschöner, gepflegter Platz mit Pool und genug Strecke, um sich mal wieder selbst zum Joggen zu überreden. Ein gebührender Abschluss für dieses aufregende, polarisierende Land. Vielen Dank Guatemala für deine authentischen Seiten, deren Erkundung Spaß macht.

 


Kommentare

  1. Mama (Monika Scherer) sagt: Februar 29, 2016 at 8:35 am

    Selbst der ‚liebe Gott‘ würde den Atem anhalten bei diesen Bildern – wenn es ihn den gibt und er diesen wundervollen Planeten nicht schon vergessen hat in seinem uendlichen Universum.Wieviele Menschen gibt es wohl auf dieser Welt, die das alles gesehen, gefühlt, gerochen haben, was ihr beiden in den letzten Monaten mit all Euren Sinnen erobern konntet.Keiner kann Euch das jemals stehlen oder kaputt machen. Was für ein Reichtum! Ich wünsche Euch weiterhin ein glückvolle Reise – in Liebe, Mama

  2. Wahnsinn – was für Erlebnisse! Die Bilder und die Erzählung sind wieder super toll – ich habe Deine Worte, Lena über den Vulkanausbruch im Kopf, sehe die beeindruckenden Bilder dazu und bekomme wieder ein Gefühl von „Dabeisein“! Viele sehnsüchtige Küsse für Euch!

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