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Schweren Herzens verlassen wir Canada. Die positive, freundliche und neugierige Art der Einwohner wird uns abgehen. Die Vielfalt des Landes ebenso. Aber hilft ja nichts. Wir sind nicht gekommen, um zu bleiben. Fort-bewegen, er-fahren, weiter-reisen sind Wörter die uns antreiben.

Als die Skyline Seattles vor uns auftaucht, wird klar: wir sind in den Vereinigten Staaten von Amerika angekommen. Ein neues Land, ein neues Kapitel. Da möchte der ein oder andere denken, Alaska hat ja auch schon zu den USA gehört. Faktisch richtig, auf gefühlter Basis – falsch. Alaska ist irgendwie ein eigenes Land. Und verhält sich auch so. Anyway, wir sind also in Seattle. Dank Matthias haben wir Kontakt zu Maria. Eine Dokumentarfilmerin, die uns zu sich einlädt. Wir kennen sie nicht. Aber sie kennt Matthias und Sarah – das reicht. Sie wohnt mit ihrer Familie nahe dem schönen Viertel Ballard. Und wir – wir wohnen noch am selben Abend in ihrer Einfahrt. Sie öffnet die Türen für uns, gibt uns Sightseeing Tipps und lädt uns auch gleich zu einem Halloweenfest ein. Wir hätten uns keinen besseren Aufenthalt vorstellen können. Ist es doch eher schwierig einen Campingplatz mitten in der Stadt zu finden. Seattle überzeugt mit 300 Regentagen im Jahr. 48 Stunden Dauerregen machen den Aufenthalt demnach ein wenig mühsam. Dennoch gibt es eine Menge zu entdecken. Nicht verpassen sollte man das Seattle Center, in dem neben der Space Needle auch das EMP liegt. Ein Bier in der Traktor Tavern in Ballard ist ein Muss für Musikliebhaber. Und Downtown mit dem Public Market vervollständigt die Runde. Nach einiger Überzeugungsarbeit seitens Maria, wird Olympic Island ausgelassen und schnell Richtung Süden gefahren. Besseres Wetter und wärmere Temperaturen sind aber auch wirklich überzeugende Argumente. Wenige Stunden später finden wir uns in Astoria wieder. Eine niedliche Kleinstadt mit einem hervorragenden Frühstücks-Café in der alten Brauerei. Der McDonalds Parkplatz ist auch nicht zu verachten, wenn man nach einer schnellen, günstigen Campingmöglichkeit sucht. Ob das legal ist, wissen wir nicht. Insgesamt werden wir die folgenden Tage feststellen, dass bezüglich Wild Campen in den USA recht wenig erlaubt ist.
Über den Highway 101 fahren wir direkt am Pazifik entlang. Die blaue Weite lässt einen freier atmen. Unser Ziel lautet Cannon Beach. Einer der schönsten Strände an der Küste Oregons soll man hier finden. Und wir sagen: es stimmt. Die Sonne steht bereits um 16 Uhr tief und wirft ein wunderschönes Licht auf die Wellen. Menschen gehen Hand in Hand oder mit ihrem Hund spazieren. Wir tun es ihnen gleich. Danach suchen wiedermal nach einer günstigen Schlafmöglichkeit. In Cannon Beach dürfen RVs nur an ganz bestimmten Stellen parken. So einen Parkplatz suchen wir aus und übersehen leider das rostige „Day Use Area“ Schild. Um 22.30 Uhr klopft es auch schon energisch an unseren Bus. Die Menschen in Dunkelblau tauchen zu Zweit auf, mit deutschem Schäferhund. „You’ve been reported“. Ach, Petzmentalität auch noch? Leuchtet ein. Könnte ja sein, dass wir Bonnie und Clyde sind. Sie erklären uns relativ freundlich, dass wir diesen Parkplatz verlassen müssen und campen in Cannon Beach nur auf den super teuren Campingplätzen erlaubt ist. Nun gut, dann also der Pull Out am Highway. Die Nacht gehört nicht zu den Besten dieser Reise. Nachdem wir am nächsten Morgen an diesem unglaublichen Strand joggen waren, verlassen wir Cannon Beach zügig. Richtig willkommen haben wir uns nicht gefühlt. Die folgende Nacht schlafen wir auf einem Parkplatz mitten im Nirgendwo am Strand. Auch da werden wir morgens von einer Park Rangerin geweckt. Overnight ist nicht erlaubt. Also hier gibt es selbst im Nirgendwo Regeln. Wenigstens hat sie uns bis morgens schlafen lassen. Die frühen Stunden nutzen wir auch gleich. Bereiten unser Frühstück zu und pilgern zum Strand. Bei großen Wellen, einem leeren Küstenstreifen und einer salzigen Brise mampfen wir unser Müsli. So, wie das Leben sein sollte. Nahe Port Orford gehen wir einen sieben Meilen langen Trail, der sich über ca. 600 Höhenmeter den Humbug Mountain hochschraubt. Bei dem Namen hätten wir eigentlich hellhörig werden sollen. Nach steilen eineinhalb Stunden stehen wir am Gipfel und sehen – nichts. Der angepriesene Ausblick ist von hoch gewachsenen Bäumen verdeckt. Nun haben wir zwei Optionen. Wir verklagen die Autorin des Reiseführers auf Körperverletzung. Es war echt steil! Oder wir lachen darüber, werden den Humbug Mountain nie vergessen und allen erzählen, dass der Name Programm ist. Wir folgen also weiter dem 101er, das Meer begleitet uns stetig und die Wellen beruhigen das Gemüt. Hier kann man übrigens von Trinidad, über Florence nach Denmark fahren. Wir sehen Robben, die sich auf Felsen von der Sonne wärmen lassen. Üben den westcoast-out-of-bed Style beim Bus aufräumen. Und erkunden die vielen, wilden, wunderschönen Sandstrände entlang der Küste Oregons. Fort-bewegen, er-fahren, weiter-reisen.


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