Foto / Zentralamerika

Das kleine Land südlich von Mexiko hatten wir gar nicht richtig auf dem Radar. Es misst nur 23.000 km², und ist in etwas mehr als sechs Stunden der Länge nach zu durchfahren. Wenn man was davon hörte, war es vor allem in Bezug auf das berühmte Blue Hole und die Tauchwelt. Aber sonst? Also dann – machen wir uns auf Belize zu erkunden. Ein Land, von dem wir nicht ahnen, dass es uns überraschen wird…

Wir fahren auf das Grenzgelände zu. Wieder ist uns ein bisschen mulmig zu Mute. Grenzübergang. Das Wort klingt so hart und erbarmungslos, dass man nahezu eingeschüchtert sein muss. Auf der mexikanischen Seite wird es auch gleich spannend. Die Dame, die uns den wichtigen Ausreisestempel geben soll, fordert Geld. Wir fragen nach, wofür. Nachdem wir im alten Jahr eingereist sind und sich ab 2016 die Einreisegebühr erhöht hat, sollen wir nun die Differenz von 60 Pesos begleichen. Verdutzt schauen wir uns an. Einreisegebühr bei AUSREISE begleichen? Großes Kino. Dank Julias Spanisch Kenntnissen können wir so lange über die mangelnde Logik dieser Zahlung diskutieren, bis sie aufgibt. Im Banjército holen wir uns noch unsere Kaution zurück und der Einfuhrkleber wird von der Frontscheibe entfernt. Weiter geht es in die belizischen Gebäude. Einreiseformular ausfüllen, beim Zoll Bus und Inhalte angeben, zur Desinfektion der Reifen fahren, Einfuhrgebühr für den Bus bezahlen – fertig. Und das alles in Englisch inklusive strahlendem Lächeln der Zollbeamtin. Ach, so einfach kann das also auch gehen? Nachdem wir die Versicherung besorgt haben, geht es in die erste Stadt: Corozal. Als wir durch die Strassen fahren wird unser Hirn auf Hochtouren getrieben. Es muss erst verstehen, dass wir eher in Jamaika gelandet sind, als in Lateinamerika. In Belize rodeten die Briten Blauholz und Mahagoni. Für diese harte körperliche Arbeit missbrauchten sie afrikanische Sklaven, bevor diese im Laufe des 18. Jahrhunderts zu Teilen nach Guatemala oder Honduras fliehen konnten. Die Afrikaner und Garifuna beeinflussten die belizische Kultur in den folgenden Jahrhunderten maßgeblich. So winken uns die Einheimischen mit fröhlichen Gesichtern zu, und begrüßen uns mit ihrem kreolischen „Gud Mawning“. Die Strassen sind staubig, das Leben findet meist draußen statt und große Supermärkte findet man keine. Die Vorhandenen sind in chinesischer Hand und bieten nur das Nötigste. Also durchsuchen wir mehrere Läden nach unseren Grundnahrungsmitteln und machen uns auf zum ersten Schlafplatz. Die nächste Woche reisen wir von Nord nach Süd. Wir besuchen die Community Baboon Sanctuary mit den Brüllaffen. Essen dort von Grandma’ gekochtes BBQ und machen mit dem bekifften Max eine Kanu-Krokodil-Nachttour, bei der wir fast unter gehen – und keine Krokodile sehen. Über die staubige Coastal Road erreichen wir Gales Point. Wir fahren durch das Dorf auf der schmalen Landzunge dieses Nationalparks. Kinderhände winken und an jeder Ecke ein breites Lächeln. Hier ist Wir-machen-die-ganze-Welt-gleich noch nicht angekommen. Rassismus übrigens auch nicht. Mestizen, Kreolen, Mayas, Garifuna und Mennoniten leben friedlich zusammen. In Hopkins lauschen wir traditioneller Trommelmusik am Strand und lernen, dass Belize teuer ist. In Placencia entdecken wir den reicheren Teil des Landes und lassen uns von den sand flies zerstechen. San Filipe lockt uns mit einer Schokoladenplantage. Juán von Ixcacao läd’ uns ein im Dschungel auf der Farm zu übernachten. Dort stehen wir inmitten des Garten Eden. Mit Papaya, Ananas, Yuka Wurzel, Kochbanane, Orangen, wildem Basilikum, Zitronengras und einem unterirdischen Ameisenreich – in das ich zielsicher reintrete.

Jetzt sind wir im Westen, in San Ignacio und bereiten uns auf den Grenzübergang nach Guatemala vor. Wir sind froh, Belize nicht über-sehen zu haben. Es ist es wert, Zeit dort zu verbringen. Die Menschen kennen zu lernen und zu verstehen, dass materieller Reichtum absolut nicht mit Glück gleichzusetzen ist. Liebe, Respekt und gute Musik ist das, was die Menschen hier wirklich brauchen.

 

 

 


Kommentare

  1. Gerade durch Zufall auf euren Blog gestoßen.
    Großes Lob, vor allem für die tollen Fotos die ihr macht.
    Alles Liebe Jules
    http://www.mabelicious.com

  2. Mama (Monika Scherer) sagt: Februar 11, 2016 at 9:00 pm

    Schön, Euch lachen zu sehen!Und schön, dass Ihr wieder und wieder erleben könnt, dass Geld zwar die Welt regiert (und vernichtet!) aber Glück und Liebe die Wurzeln im Herzen der Menschen haben.Ich sende Euch sehnsüchtige Grüße aus dem verschneiten Voralpenland. Mama

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